beWirken – Bildungsfestival

Am 18.-19.11.’17 findet an der Leuphana Universität Lüneburg das „Bildungsfestival – Jugend braucht Freiräume“ von den kreativen Köpfen von beWirken statt.

Wir von VEbBS mach dort einen Workshop zum erfolgreichen Netzwerken und stellen unsere Netzwerkselbstanalyse vor. Es wird sicher eine spannende und erkenntnisreiche Veranstaltung. Wir freuen uns sehr darauf.

beWirken – Jugendbildung auf Augenhöhe!

Mehr Informationen findet ihr unter: http://www.bewirken.org/bildungsfestival/ 

Kommentar zum Wahlprogramm der FDP

Die FDP erklärt mit dem Aufbau ihres Wahlprogramms Erziehung und vor allem Bildung zu einem der Hauptthemen in diesem Wahlkampf. Sie wollen die „weltbeste Bildung für Jeden“ und setzen diesen Punkt ganz nach oben in ihrem Wahlprogramm (vgl. Wahlprogramm 2017: 21). Selbstständigkeit, Selbstbestimmung und Verantwortung für die Familie und Gesellschaft übernehmen zu können, wird als Ziel dieser Maßnahmen in Schule, Studium und Beruf formuliert.
Die FDP will den Bildungsföderalismus grundlegend reformieren und einheitliche Abschlussprüfungen, um einen deutschlandweit einheitlichen Bildungsstandard zu ermöglichen. Diese Standards sollen von den Schulen eigenständig realisiert werden. Welche Maßnahmen hierfür konkret getroffen werden müssen und welche Konsequenzen diese Forderung auf den einzelnen gesellschaftlichen Ebenen haben könnte, darauf wird in diesem Wahlprogramm nicht weiter eingegangen. Die FDP fordert die Finanzierung von Schulen und Kindertageseinrichtungen auf Bildungsgutscheine umzustellen, unabhängig davon, ob die Institutionen in freier oder staatlicher Trägerschaft sind. Die Bildungsgutscheine können von den entsprechenden Einrichtungen beim Staat eingelöst werden und sollen für mehr Transparenz sorgen und als Anreiz für die Qualitätssicherung dienen. Für mich klingt ein solches Konzept nach einem hohen und zusätzlichem bürokratischem Aufwand, der die Leistungen für den Staat transparenter, möglicherweise zu transparent macht. In diesem Wahlprogramm wurde bedacht, dass gute Kindertageseinrichtungen auch gutes Personal und einen höheren Betreuungsschlüssel benötigen. Ermöglicht werden soll dies durch eine bessere Bezahlung und qualifiziertes Personal. Wie genau dies realisiert werden kann, welche Mittel hierfür langfristig benötigt werden und welcher struktureller und bürokratischer Aufwand für auf die zukünftigen Verantwortlichen zu erwarten sind, wird im Wahlprogramm nicht ausformuliert. Die Digitalisierung in Schule und Ausbildung ist ein relativ neues Thema und wird in diesem Wahlprogramm anhand konkreter Vorschläge thematisiert. Unter Einsatz von Breitbandverbindungen und drahtlosen Netzwerken an Schulen soll die Nutzung von diversen online Tools beispielsweise „Massive Open Online Courses“ ermöglicht werden, um so das Lernen zu individualisieren und lebenslanges Lernen zu unterstützen. Mithilfe von 1000 Euro zusätzlicher Ausgaben pro Schüler*in soll dieses Vorhaben realisiert werden, somit käme auf Bund und Länder eine zusätzliche finanzielle Belastung zu, die nur mit einer durchdachten Planung und entsprechenden Expert*innen zu einer erfolgreichen Verbesserung der digitalen Nutzung von Medien an Schulen führen kann. In einem weiteren Schritt soll über eine Anerkennung solcher online Kurse durch Arbeitgeber oder als Studienleistung entschieden werden. „Zukünftig müssen alle Ausbildungsberufe ausschließlich mit digitalen Medien unterrichtet werden und das Fach Informatik wesentlicher Bestandteil der berufsschulischen Ausbildung sein (ebd.: 33).“ Eine solche Forderung ist meines Erachtens nicht ausreichend durchdacht und zu einseitig formuliert und Schüler*innen, die aufgrund bestimmter Einschränkungen nicht in der Lage sind, solche Technik zu nutzen werden hier nicht berücksichtigt. Des weiteren würde eine solche Umstrukturierung meiner Einschätzung nach den Unterrichtsausfall bedingt durch technische Probleme erhöhen und Schulen für Hacker angreifbarer machen und darüber Nachteile entstehen, die sich für Lehrende ergeben könnten, die nicht mit digitalen Medien vertraut sind. Begabte Schüler*innen sollen an Schulen systemisch gefördert werden, beispielsweise durch eine verbesserte diagnostische Kompetenz der Lehrenden (vgl. Wahlprogramm 2017: 27). Weitere Forderungen im Wahlprogramm sind die Anhebung der Finanzhilfen für Schulen in freier Trägerschaft, Stärkung der dualen Ausbildungsberufe, Stipendien für mindestens 15 Prozent der Studierenden und einen flexibleren Einsatz von Arbeitskräften in der Zeitarbeit.
Das Lehramtsstudium soll durch eine frühe, benotete Praxisphase im Grundstudium verbessert werden und der Quereinstieg in das Lehramtsstudium soll durch berufsbegleitende Aufbaustudiengänge vereinfacht werden. Schulen sollen mehr Freiheit haben bei der Wahl, ob sie Quereinsteiger einstellen wollen. Unterstützt wird dieses Vorhaben mithilfe von verpflichtenden und regelmäßigen Fortbildungen für Lehrkräfte. Ob eine solche Veränderung die Qualität der Arbeit erhöht, bleibt abzuwarten und ist innerhalb der Diskussion um die Qualitätssicherung in diesem Bereich umstritten. Die FDP fordert Sprachförderung für Vorschulkinder, um sicherzustellen, dass soziale, berufliche und politische Teilhabe allen Menschen ermöglicht wird. Inhaltlich wird jedoch nicht weiter auf die Ausgestaltung und darauf eingegangen, welche Kinder eine solche Sprachförderung benötigen. Daher befürchte ich, dass es eine weitere Möglichkeit zur Stigmatisierung bereits benachteiligter Personengruppen darstellt. Die FDP fordert unter anderem eine Online-bereitstellung von Unterrichtsmaterialien an Hochschulen, eine Forderung, die wie ich finde an unserer Universität zu Teilen schon erfüllt wird. Es dürfen hierbei keine Rechte Dritter verletzt werden. Wie genau sich diese Forderungen erfüllen ließen – unter anderem im Hinblick auf die Streitigkeiten mit der VG-Wort – wird im Wahlprogramm nicht weiter thematisiert. Das Wahlprogramm beinhaltet noch viele weitere Forderungen, die hier aufgezählten sind meiner Meinung nach nicht einmal in zwei Legislaturperioden zu realisieren, daher wirkt das Vorhaben auf mich utopisch. Des weiteren fehlt es an konkreten Vorschlägen zur Realisierung der einzelnen Punkte. Der starke Wunsch nach Standardisierung macht auf mich den Eindruck, als sei es möglich, Menschen in eine Form zu pressen, um ihnen die gewünschten Kompetenzen zu verleihen und sie entsprechend vorzubereiten. Es stellt sich mir die Frage, ob unter all diesen Forderungen schließlich die Individualität leidet. Falls euer Interesse am Wahlprogramm der FDP geweckt wurde findet ihr es hier: Entscheidet selbst, wen ihr wählen wollt, aber informiert euch bitte vorher über die Inhalte!

Isabell von Malottki studiert an der Leuphana LBS Sozialpädagogik und Evangelische Religion und  ist im Vorstand von VEbBS e.V. Referentin für Qualitätsentwicklung.

 

Kommentar zum Wahlprogramm der Partei DIE LINKE

DIE LINKE trifft mit dem folgendem Slogan zur Bundestagswahl 2017 an: Sozial. Gerecht. Frieden. Für alle.

Grundsätzlich steht die Linke einer gesellschaftlichen Spaltung von arm und reich entgegen. Das Wahlprogramm umfasst dabei 17 Kernpunkte, die hier nicht abschließend thematisiert werden werden u.a. Themen wie Geld (Lohn, Rente), Gleichstellung, Bildung und Innen-/Außenpolitik.

Die Linke setzt sich in ihrem Wahlprogramm in Bezug auf das Thema Bildung für ein inklusives Bildungssystem und die bessere Bezahlung von Erzieher*innen ein. Die Ausbildung von Erzieher*innen in der frühkindlichen Bildung soll auf Hochschulniveau stattfinden. Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung sollen andere Qualifizierungsmöglichkeiten  geboten werden. Wie genau die verbesserte Ausbildung bzw. die weiteren Qualifizierungsmöglichkeiten aussehen werden, ist nicht herauszufinden. Somit lässt sich auch nicht sagen, wie sich das z. B. auf den Theorie-Praxis-Transfer und die Qualität auswirken würde. Eine spannende Zukunftsvision, die mit dieser Forderung einhergeht, könnte sein, dass die akademisierte Erzieher*innen-Ausbildung an Hochschulen in Modulen organisiert wird, deren Zugang auch für ausgebildete Erzieher*innen und Quer- und Seiteneinsteiger*innen geöffnet wird. Diese neue Begegnungsplattform in Modulen an Hochschulen, die sowohl Menschen in Ausbildung als auch Menschen aus der Praxis in Fortbildung zusammenbringt, hätte großartiges Potential für einen Theorie-Praxis-Transfer, der über die Institutionen hinausweist.

DIE LINKE hat eine Vision von der Zukunft: Kinder sollen einen Rechtsanspruch auf einen Ganztags-KiTa-Platz haben und ein bundesweites KiTa-Qualitätsgesetz soll zu einheitlichen Standards beitragen. Kinder im Schulalter sollen einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen haben. Außerdem soll das Kooperationsgesetz aufgehoben werden. (Ihr fragt Euch, was das Kooperationsverbot ist? Unter diesem Link findet ihr einen kurzen Kommentar, der das Gesetz am Bsp. Hochschule erklärt.) Das soll alle Finanzlücken schließen Die geforderten Maßnahmen zur Verbesserung der Bildung sollen durch Bund und Länder finanziert werden. Woher der Bund das Geld nehmen soll, um diese umfangreichen Maßnahmen zu finanzieren, wird nicht genau erklärt. Des Weiteren soll durch eine sog. Reichensteuer so viel Geld eingespart werden, dass die Kommunen gestärkt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Linke im Bereich Bildung ein Bundesprogramm „inklusive Bildung“ fordert, dass von Bund, Ländern und Kommunen finanziert werden soll. Mehreinnahmen zur Finanzierung dieser, sollen sich durch erhöhte Steuern von Privilegierten ergeben. Das Wahlprogramm scheint ausschließlich für untere und mittleren Einkommensgruppen interessant zu sein, da höhere Einkommensgruppen diesen sozialen Wandel finanzieren sollen, es sei den auch diese haben daran ein Interesse. Bedenkt man jedoch die Verteilung der Einkommen, sollte die Anzahl der Profiteure deutlich in der Mehrheit liegen. Ob sich die Wähler*innen darüber im Klaren sind bleibt abzuwarten.

Ricarda Heil ist studierte Kulturwissenschaftlerin und arbeitet als Beraterin für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Zudem ist sie im Vorstand von VEbBS e.V. Referentin für Theorie-Praxis-Transfer.

Kommentar zum Wahlprogramm der Partei GRÜNE

In Bezugnahme auf die ausgewählten Textpassagen aus dem Wahlprogramm der Partei GRÜNE zur Bundestagswahl 2017 lässt sich folgendes für mich feststellen:

  1. Die Qualität in Kindertageseinrichtungen scheint ein großes und wichtiges Thema für die Partei zu sein. So macht sie (die Partei) anhand von unterschiedlichsten Stichworten (z.B.: Qualitätsstandards, interkulturelles Lernen, Partizipation, Recht auf Kindergartenplätze, Betreuungsschlüssel, Medienkompetenz…) deutlich, wie in dem Bereich der Kindertageseinrichtungen, aber auch anderen Institutionen, wie z.B. Schule, Horte und Jugendzentren investiert werden müsste. Positiv finde ich hierbei aus meiner Position, dass deutlich hervorgehoben wird, dass und wie in diesen Bereichen bisher gespart wurde (Zerfall der Gebäude, Fachkräftemangel, etc.), denn genau dies begleitet mich/ uns in der alltäglichen Arbeit. Leider wird, und das ist wohl in diesem Rahmen auch kaum anders möglich, nicht an allen Stellen deutlich, wie diese Erneuerungen realisiert werden können.
  2. Die Partei GRÜNE thematisiert ausführlich die Gleichstellung von Mann und Frau, auch in personenbezogenen Dienstleistungsberufen. Dies wird nicht nur auf der Besoldungsebene, sondern auch auf der Anerkennungsebene thematisiert. Besonders interessant finde ich hier die konkrete Formulierung, dass die Erzieher*innenausbildung neu gestaltet werden soll. Schade ist, dass nicht wenigstens etwas konkreter formuliert wird, wie sie neu gestaltet werden soll (und kann).
  3. Umso mehr sich die Partei GRÜNE für die Kindertageseinrichtungen und Schulen einsetzt, umso weniger wird dabei die berufliche Bildung mitgedacht. Dadurch scheinen für mich die Ideen nicht weit genug überlegt, leider, da doch das gut ausgebildete Personal, Erzieher*innen konkret und auch Schule Themen im Wahlprogramm sind.

So wird also deutlich, dass die Partei GRÜNE bei vielen Inhalten sehr konkrete Ideen benennt, wie bei vielen Parteien aber die Realisierungsmöglichkeiten nicht immer deutlich werden. Ob dies das Ziel eines Wahlprogrammes, welches für alle Bürger*innen geschrieben wird, ist, stelle ich hierbei in Frage. Ganz klar bleibt doch aber eine Sache: Wir sollten die Möglichkeit, dass wir wählen dürfen, nutzen!

Rebecca Walter ist Lehrerin für Sozialpädagogik und momentan in Elternzeit. Sie kommt aus Horstedt und studierte von 2006-2011 LBS SozPäd in Lüneburg.

Kommentar zum Wahlprogramm der SPD

Das Wahlprogramm der SPD liest sich wirklich sehr angenehm. Es werden Themen benannt, für die Erzieher*innen in den letzten Jahren vieler Orts, mit Trillerpfeifen auf die Straße gegangen sind: Aufwertung der Erziehungs- und Pflegeberufe, mehr Anerkennung in der Gesellschaft, Erhöhung der Entlohnung. Sogar die vergütete Ausbildung steht nun schwarz auf weiß in einem Wahlprogramm einer großen Volkspartei. Einer Partei, die den Anspruch erhebt die künftige Regierung anzuführen. Sind damit alle sehnlichsten Wünsche erfüllt und das Feld auf lange Zeit gerettet? – Ich befürchte es ist ein wenig komplizierter. Unbenommen, der Rechtsanspruch auf einen KiTa-Platz und die von der SPD beschworene Fachkräfteoffensive klingen unglaublich gut, wenngleich man noch nicht so genau weiß, was sich dahinter bürokratisches verbergen mag.

Aus den Erfahrungen, die ich mit dem ESF-Modellprogramm „Quereinstieg – Männer und Frauen in KiTas“ an der Kooperationsschule BBZ Mölln sammeln durfte ist der Weg zu einer vergüteten Erzieher*innen-Ausbildung wahnsinnig spannend, aber momentan noch vollkommen System inkompatibel. Ohne Frage haben der Täger KinderWege gGmbH und die Abteilung für Sozialpädagogik in Mölln unglaubliches geschafft, jedoch meist nur durch den Willen zum Andersdenken und jede Menge Kreativität. Um einen Eindruck zu vermitteln, was mit der Systemänderung auf alle Akteur*innen zu kommen wird, seien hier nur drei Punkte angesprochen.

  1. Vollzeitschulische Ausbildungen funktionieren momentan mit einen wechselseitigen Theorie-Praxis-Transfer aus Theorie in der Schule, Erleben und Ausprobieren in der Praxis und der Reflexion in der Schule. Das kann praxisintegriert oder im Schul-/ Praxiswochen-Wechsel organisiert sein. Wichtig dabei ist jedoch, dass die*der Praktikant*n in den Praxisphasen Erzieher*innen-Aufgaben erprobt, ohne dabei Teil des Betreuungsschlüssels zu sein. Es ist somit eine additive Kraft, die eigenständig unter Anleitung Erfahrungen sammeln kann, um diese dann Theorie geleitet in der Schule reflektieren zu können. Innerhalb der momentan existenten technologisierbaren Ausbildungsberufen übernehmen Auszubildende relativ zügig Aufgaben im Produktions- / Dienstleistungskreislauf. Diese vielfach Assistenz-Aufgaben fallen jedoch nicht in das zu erprobenden Aufgabenfeld einer eigenverantwortlich handelnden Erzieher*in. Dies führt uns zur ersten Herausforderung: Im Rahmen des ESF-Projektes wurden die Erzieher*innen-Schüler*innen im ersten Jahr voll durch das Projekt finanziert. Im zweiten Ausbildungsjahr zu Teilen und im dritten wurden die „Auszubildenden“ dann nach Zwischenzertifizierung als sozialpädagogische Assistent*innen eingestellt und voll durch den Träger finanziert. Somit haben die „Auszubildenden“ mindestens im dritten Jahr einen Rollenkonflikt. Zum einen sollen sie laut Betreuungsschlüssel Assistenz-Aufgaben als Azubi oder später als sozialpäd. Assistent*innen erfüllen, wofür sie bezahlt werden und zum anderen sollen sie als Praktikant*innen Erzieher*innen-Aufgaben erproben.
  2. Das führt auch die Träger, also Kommunen  und Vereine, Kirchen etc. vor große Herausforderungen., da diese abseits der momentanen Finanzierung über Kontingente und Betreuungsschlüssel nun Auszubildende finanzieren müssen, die nicht Teil der Berechnungsgrundlage sein dürfen. Wie dieser Engpass bei versprochenen stetig sinkenden KiTa-Gebühren für Eltern bewältigt werden will ist noch ungeklärt.
  3. Der dritte Punkt ist jedoch der spannendste: Momentan werden die Qualitätsstandards der vollzeitschulischen Ausbildung zur Erzieher*in im Rahmenvertrag in der KMK beschlossen und durch die Länder in ihren jeweiligen Bildungsministerien etc. ausbuchstabiert. Man kann also davon sprechen, dass die Inhalte und Rahmenbedingungen, sowie die Kriterien der Qualität staatlicherseits bestimmt, z.T. durch Wissenschaftler*innen inspiriert und reflektiert sowie durch im besten Falle verbeamtete Studienräte u.a. qua Fakultas verantwortet. In dualen beruflichen Ausbildungskontexten bestimmen aber die Meister und Innungen, also die Praxis, über Interessenvertretungen, wie die IHK, entscheidend mit. Will man den Weg in die duale Ausbildung für Erzieher*innen gehen, so braucht es dann auch eine Art Praxisrückkopplung, die durch Interessenverbände organisiert wird. Dies wir eine spannende Auseinandersetzung, deren Akteur*innen bisher noch unbenannt sind. Der Berufsverband VEbBS e.V. kann sich als Interessenvertretung und Moderation in diesem Fall wärmstens empfehlen.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Ideen, die im Wahlprogramm der SPD formuliert wurden, auf jeden Fall in die richtige Richtung weisen und viele Herzenswünsche, der immer noch gesellschaftlich wenig anerkannten Frauenberufe, wie die der Erzieher*in, ernst nehmen. Fraglich bleibt jedoch, ob die Tragweite und die Spezifika der personalen Dienstleistungsberufe mitgedacht wurde. Wir begleiten diesen Prozess gerne kritisch weiter.

 Phillip Diestel studierte LBS Sozialpädagogik und Theologie in Lüneburg. Er ist Gründungsmitglied und Vorstand bei VEbBS e.V. und arbeitet momentan als Referent für Freiwilligendienst im Bereich FSJ-Schule beim Jugendwerk der AWO SH e.V.

Kommentar zum Wahlprogramm der CDU

Der kurze Ausschnitt des Wahlprogramms der CDU liest sich erst einmal wie der einer echten Volkspartei. Es scheint an alles gedacht zu sein. Quantitativer sowie qualitativer Ausbau der Bildung und Betreuung und vor allem die Wahlfreiheit der Eltern. So kann jede* Bürger*in die richtige Wahl für seine individuelle Lage treffen. Beim genaueren Lesen stellen sich für mich jedoch zwei Probleme, die nach meiner Recherche nur wenig bis kaum berücksichtigt werden.

Zum einen die auf den ersten Blick so positiv wirkende Wahlfreiheit. Eine Wahlfreiheit hängt nicht nur von der Vielfalt der zu wählenden Institutionen ab, sondern vielmehr von der Lebenswelt in der die Bürger*innen sich befinden. Der Familienreport 2017 merkt schon an: „Kinder aus Elternhäusern mit geringen Einkommen nehmen seltener an sportlichen und musischen Angeboten teil und werden von den Leistungen auch nicht ausreichend erreicht.“ (Link zum Familienreport)

Diese Elternhäuser werden für mich nicht ausreichend mitgedacht und so wird die Wahlfreiheit nicht für jede Familie in der Bundesrepublik Realität.

Auch der qualitative sowie quantitative Ausbau liest sich sehr gut und ist erst einmal dahingehend positiv zu bewerten, dass nicht nur geschaut wird das sich Beruf und Familie vereinbaren lassen, sondern das Kindertageseinrichtungen mehr sind als Aufbewahrungsstationen. Sie haben einen klaren Bildungsauftrag, der eine hohe qualitative Arbeit voraussetzt. Jedoch stellt sich mir die Frage, wie man einen Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter mit einer gleichbleibenden Qualität gewährleisten will. So sollte bedacht werden, dass Qualität von Bildung und Betreuung immer mit den Personen, die in diesem Feld arbeiten, zusammenhängt. Erzieher*innen werde u.a. 4 Jahre lang ausgebildet. Mir ist in den letzten drei Legislaturperioden nicht aufgefallen, dass die Regierung, in der die CDU immer vertreten war, diesen Rechtsanspruch verrauschend vorbereitet hätte.  Was passiert, wenn dieses nicht bedacht wird, zeigt die von der in Hamburg SPD/Grünen Regierung verabschiedete „Positiv Liste“.  Durch diese können viele nicht spezifisch ausgebildete Personen in diesem Arbeitsfeld tätig werden. Eine Diskussion zur „Positiv Liste“ finden sie hier.

Zusammenfassend fehlen mir hinter diesen durchaus sinnvollen Vorhaben das Mitdenken der daraus erfolgenden Herausforderungen. Gerade ein qualitativer sowie quantitativer Ausbau ist immer schnell in ein Wahlprogramm getippt. Mir fehlt hier eine durchdachte Strategie für dieses Vorhaben.

Justus Schmale studiert an der Leuphana LBS Sozialpädagogigk und Politik und betreut bei VEbBS das Projekt „Mehr als Sontagsreden“.

Hausarbeits-Tipps für den Sommer

Tipps zum wissenschaftlichen Schreiben:

  • Vertraut auf eure Fähigkeiten.
  • Reflektiert und kennt eure Stärken und Schwächen beim Schreiben.
  • Fordert konstruktive Rückmeldungen von Kommilliton*innen ein.
  • Bleibt am Schreibtisch hartnäckig.
  • Belohnt euch für kleine Erfolge.
  • Wartet nicht erst, bis ihr in der richtigen Stimmung seid.
  • Schafft euch optimale Schreibbedingungen (Arbeitsatmosphäre).
  • Schreibt regelmäßig, damit schreiben zu einer gewohnten Tätigkeit wird. Macht euch Schreibtermine.
  • Nutzt die Möglichkeit euch mit Kommiliton*innen über Herausforderungen, Probleme und Erfolge auszutauschen.
  • Verabredet euch zum Schreiben mit Kommiliton*innen.
  • Nutzt das Schreiben als Denkwerkzeug. Fertigt Notizen, Zusammenfassungen, Skizzen und andere Texte an.
  • Lasst euch nicht durch einen Vorwand vom Schreiben abhalten (Erst muss ich noch… dann kann ich schreiben).
  • Lasst euch von den Arbeitsweisen eurer Kommiliton*innen inspirieren. Tauscht euch aus.
  • Findet euren eigenen Weg erfolgreich zu schreiben.
  • Schreibt auch, wenn ihr denkt dass es sich nicht lohnt nur X Minuten zur Verfügung zu haben. Jeder Fortschritt ist besser als kein Fortschritt.
  • Arbeitet nicht zu verkrampft sondern gönnt euch auch Entspannung.
  • Versucht nicht direkt druckreif zu schreiben. Schreibt eure ersten Gedanken frei auf. Überarbeitet den Text dafür später sehr gewissenhaft.

In Anlehnung an: Wymann, Christian. Schreibmythen entzaubern: ungehindert schreiben in der Wissenschaft. UTB Schlüsselkompetenzen 4660. Opladen Toronto: Verlag Barbara Budrich, 2016.

Klausurtagung

Am 17.05. traf sich der Vorstand von VEbBS zur ersten Klausurtagung in neuer Besetzung in Lüneburg. Ähnlich wie in einem neuen Kollegium oder nach einem größeren Umbruch in einem ehrenamtlichen Team, müssen auch wir als Vorstand erstmal enger zusammenwachsen. Hierfür haben wir extra Methoden genutzt, bei denen das Vorwissen der “alten Hasen” nicht so ins Gewicht fällt und es keine erkennbaren Unterschiede zwischen neuen und alten Vorstandsmitgliedern gab. Es tut so gut, mit dem gesamten Vorstand an einem Tisch zu sitzen und über die jeweiligen Vorstellungen und Idee zu diskutieren.

Im Normalfall sprechen wir unsere Arbeit über längere Distanzen in Skype-Gesprächen und in unserem Online-Tool Bitrix ab. Sicher erleichtern uns diese digitalen Möglichkeiten das Alltagsgeschäft des Vorstands und ermöglichen, dass wir nicht alle persönlich aus ganz Norddeutschland zusammenkommen müssen. Aber ein persönliches Treffen bietet immer, durch die Einzelgespräche bei Essen und in den Pausen, die physische Präsenz, ein ganz anderes Erlebnis. Durch diese Treffen rücken wir immer noch ein Stück näher zusammen und wissen besser, wie der*die Andere so tickt. So haben wir uns die Zeit gerne genommen. Wir hatten ein straffes Programm (von 09:00 bis 18:00 Uhr) zusammengestellt, sodass wir den gesamten Tag gemeinsam verbringen konnten. Nebenbei hatten wir in der Mittagspause noch die Gelegenheit, das neue Zentralgebäude der Leuphana Universität zu besichtigen.

Zu Beginn stand eine ehrliche und nüchterne Analyse unserer Arbeit in den vergangenen drei Monaten an. Nicht immer führen hohe Anstrengungen und gutes Arbeiten auch zu Erfolg. Daher ist es uns wichtig uns weder auf ein verbales Schulterklopfen noch auf gegenseitige Vorwürfe zu beschränken. Daher freuen wir uns auch jederzeit über eine Rückmeldung von euch.

Weil wir öfter mal gefragt werden, wieso wir uns eigentlich den ganzen Aufwand aufbinden, haben wir in einem zweiten Schritt Antworten dazu gesammelt. Das hat auch den schönen Nebeneffekt, dass wir selber besser verstehen, wieso die jeweils anderen Vorstandsmitglieder überhaupt mit uns zusammenarbeiten und für das Amt kandidiert haben. Daraus ist eine bunte Sammlung von Motivationsgründen entstanden, die man unpriorisiert folgendermaßen darstellen könnte.

Neben dem Blick auf die zurückliegenden Erfolge konnten wir neue Motivation sammeln für die zukünftigen Projekte und Ideen. Dabei haben wir drei neue  Konzepte entwickelt, die hier kurz benannt werden können:

  • VEbBS goes Praxis
  • VEbBS to the roots
  • VEbBS braucht Dich

Bei der Konzeptentwicklung sind wir so vorgegangen, dass jeweils ein Vorstandsmitglied eine Idee zu seinem*ihrem Verantwortungsbereich vorbereitet und in die Tagung mitgebracht hat. Diese Idee wurde dann gemeinsam weiterentwickelt und im Hinblick auf wichtige Punkte hinterfragt. Was hat das Feld davon? Was haben unsere Mitglieder davon? Gibt es etwas vergleichbares schon? Mit wem könnten wir zusammenarbeiten? Wie passt es zu unserer Satzung und den auf der Vollversammlung beschlossenen Entfaltungszielen? Wie kostenintensiv ist es und welche Folgekosten entstehen? Welche offenen Fragen sind zu klären und was sind die konkreten nächsten Schritte?

Was sich hinter diesen Konzepten verbirgt und welche Antworten wir auf die aufgeworfenen Fragen gefunden haben, können wir noch nicht verraten, da sie sich noch vollkommen in der Roh-Phase befinden. Wer von euch Mitgliedern jedoch zum Mitgliedsrat kommt, kann sich schon frühzeitig in den Prozess einbringen und über die Weiterentwicklung mitentscheiden.

Mehr als Sonntagsreden

Die beruflichen Tätigkeiten in unserem Feld werden immer anspruchsvoller, gleichzeitig gibt es immer mehr Möglichkeiten für gering(er) qualifizierte Menschen den Status von Fachkräften zu erlangen. Die finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung für die gut ausgebildeten Fachkräfte sind mit den gestiegenen Anforderungen nicht mit gewachsen. Hier steht die Politik und die Parteien stark in der Verantwortung. Diese wollen die Parteien gerne mit Wohlfühlaussagen, die so ähnlich klingen wie “Wir müssen mehr in Bildung investieren” oder “Kinder sind unsere Zukunft und Bildung Deutschlands wichtigste Ressource” beantworten. Was sie jedoch konkret damit meinen verschweigen sie meist oder verweisen auf ihre Wahlprogramme. Wir fragen uns: Welche Vision haben die Parteien für die frühkindliche Bildung in Deutschland? Womit werben die Parteien im Bundestagswahlkampf um unsere Stimmen?

In einer engen Kooperation mit Policy Lab wollen wir uns diese genauer anschauen. Wir werden die Wahl- und Parteiprogramme der Parteien  für die nächste Bundestagswahl am 24. September 2017 lesen, durcharbeiten und anhand eines eigenen Rasters bewerten.

Hierzu wollen wir einmal prüfen, wie wird überhaupt über die frühkindliche Bildung gesprochen? Welche Schlagwörter kommen in den Programmen wie oft vor und welche fehlen?  Nach dieser oberflächlichen Auseinandersetzung wollen wir die Programme intensiver, anhand eines Rasters, prüfen. Zu beiden Kriterien wollen wir in einer ersten Phase Vorschläge sammeln. Diese werden wir dann in unserer Arbeitsgruppe auswerten und weiterentwickeln. Anschließend werden wir die Parteiprogramme anhand dieser Kriterien überprüfen.

Durch unsere Analyse verfolgen wir das Ziel möglichst viele Menschen zu erreichen und zu motivieren, sich mit den gestellten Fragen auseinanderzusetzen. Am Ende des Prozesses soll u.a. ein Material für Lehrer*innen an berufsbildenden Schulen für die Diskussion im Unterricht entstehen. Außerdem wollen wir uns zu den Standpunkten der Parteien positionieren und diese Positionen an sie zurückmelden. Denn wir wollen deutlich machen, welche Erwartungen wir an die Politik haben und einen Beitrag zu Veränderungen leisten.

Dieses Projekt soll der Auftakt sein, sich mit VEbBS politisch mehr einzumischen. Für die in Niedersachsen anstehende Landtagswahl arbeiten wir auf weitere Aktionen hin. Wir planen ein Format, in dem Politiker uns direkt Rede und Antwort stehen. Das bisherige Konzept haben wir in einer kleinen Arbeitsgruppe entwickelt und mit Prof. Marile Karsten und Prof. Philipp Sandermann besprochen.

Wenn du diese Ansätze auch spannend und wichtig findest, unterstütze uns mit deinen Ideen und dem Ausfüllen des Formblattes.  In dem Formblatt sammeln wir Vorschläge für Schlagworte und für das Frageraster. Schließe dich gerne unserer Arbeitsgruppe an, indem du uns eine kurze Mail schreibst.

In Kooperation mit:

Wer ist eigentlich Isabell von Malottki?

Mitte Februar wurde in der Vollversammlung ein neuer VEbBS Vorstand gewählt. Die neuen und alten Vorstandsmitglieder haben zehn Fragen zu ihrer Person und ihrer Rolle im Verein beantwortet, um sich nun vorzustellen.

Wer bist du? Wo lebst du? Wo studierst oder arbeitest du?
Ich bin Isabell von Mallotki und wohne in Lüneburg und studiere Berufliche Bildung in der Sozialpädagogik. Nebenbei pflege ich die Websites zweier Firmen um meinen Geldbeutel etwas aufzubessern.

Wie bist du zu VEbBS gekommen?
VEbBS habe ich durch ein Gespräch mit Franz kennengelernt und Phillip kannte ich zuvor schon, aufgrund seiner Lehrtätigkeit an unserer Schule. Zudem war VEbBS zu der Zeit meiner Neuaufnahme Grund für einige Diskussionen innerhalb meiner Kohorte.

Wieso ist VEbBS etwas besonderes?
Mit dem Verein verrichten wir eine Arbeit, die eigentlich schon längst überfällig ist und knüpfen für alle folgenden Studierenden den Kontakt zu anderen Standorten und den Vertreter*innen der Praxis.

Welche Aufgaben hast du im Vorstand?
Als Referentin für den Bereich Qualitätsentwicklung beschäftigte ich mich mit der Frage: Was macht einen guten Verein aus? Und wie kann ich unsere Arbeit bei VEbBS stetig verbessern. Hierbei müssen unserer eigenen Ziele auf ihre Realisierbarkeit überprüft werden und Projekte zur Verbesserung und Überprüfung der Arbeitsweise angestoßen werden. Meine Aufgabe beginnt schon im kleinen beim Pflegen unserer Strukturen im Drive, oder dem Erstellen einer Ressourcenübersicht und wird sich auf viele Bereiche ausweiten in die ich mich selbst noch einarbeiten muss.

Was möchtest du in deiner Amtszeit gerne erreichen?
Ich würde gerne die Effektivität unserer Arbeit erhöhen und eine übersichtliche Struktur schaffen, außerdem wäre es mir ein Anliegen mehr über die Prozesse anderer Vereine zum Thema Qualitätsentwicklung zu erfahren um so von diesen lernen zu können und eigene Strategien zu entwickeln, wie der Verein sich dahingehend weiter entwickeln kann.

Welchen wissenschaftlichen Schwerpunkt hast du?
Bisher habe ich mich wissenschaftlich vor Allem mit der gemeinsamen Ausgestaltung des Unterrichts in der beruflichen Bildung der Fachrichtung Sozialpädagogik beschäftigt, jedoch kann sich dieser Fokus noch verschieben, da dies meinen ersten Versuch im forschenden Bereich darstellt. Auch in den folgenden Semestern wird sich meine Arbeit auf die hier vorhandenen Machtstrukturen und dem kritischen Umgang mit ihnen fokussieren.

Welche politische Entwicklung sollte schneller voran gehen?
Politisch gibt es Vieles zu verändern. 

Wie sieht dein perfekter Sonntag aus?
Mein perfekter Sonntag bestünde daraus entspannt ein Buch zu lesen und ausreichend zu schlafen.

Welches Buch sollte jede*r im Feld gelesen haben? Welchen Film jede*r gesehen haben?
Ich würde niemandem vorschreiben wollen, was er*sie lesen sollte, aber ich fand die Dokumentation zu den Treibhäusern der Zukunft sehr gut. Und würde zur Entschleunigung des Alltags das Buch Momo von Michael Ende empfehlen.

Was wünschst du dir von den Leser*innen des Journals?
Ich wünsche mir von unseren Leser*innen, dass sie Kritik äußern, wo es welche zu äußern gibt und uns helfen das Journal mit ihren Ideen zu gestalten und dass sie sich trauen selbst einmal Beiträge zu verfassen, denn die Themen die mir bisher bei Gesprächen mit anderen begegnet sind wäre oft einen Beitrag wert.