Grußwort von Prof. Dr. Maria-Eleonora Karsten

karstenAktiv Vernetzen, sich im Feld klug und kundig bewegen, mitgestalten und politisch die Profession vertreten – das ist das Gebot der Stunde ! – Und der Sinn und Zweck von VEbBS!

Es sind derzeit durchaus sehr bewegte Zeiten, insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe und darin in der Elementarpädagogik, den sozialen ( Frauen)Berufen und den Professionsausbauentwicklungen im g a n z e n sozialpädagogischen Feld. Wesentliche Entwicklungen, die die Lehrenden als zentrale Multiplikator*innen geradezu herausfordern, weil der Generationenwechsel in den Kollegien erst jüngst begonnen hat und, zusammen mit dem erwartbaren weiteren Ausbau, zu immer mehr Ganztagsarrangements, eine weitere Steigerung der Anzahl der lehrenden Personen und eine Ausweitung des gesamten Feldes bewirken wird. Wissenschaftlicher Nachwuchs wird zusätzlich in den Universitäten in der Lehrer*innenbildung dringend gebraucht.

In der aktuellen Situation der Elementarpädagogik, der Pädagogik der Kindheit oder der elementaren Bildung, die als Neuaufbau einer Bildungsreform, diesmal von unten – vom Beginn der Lebens- und Bildungsbiographie eines jeden Mädchen und Jungen an – pointiert werden kann, geht es auch und besonders darum, neue, eben sozial gerechtere Sozialstrukturen um- fassend auf- und auszubauen. Dies heißt umfänglich und differenziert einzutreten für neue Bildungszeiten und –räume – für jeden ganzen Tag, von der Krippe über die allgemeinbildende Schule bis in die Hochschule und Berufsbildung, – sowie jede Form des Kindheits-, Jugend- und Frauen-Mütter- und Väter-Männerlebens und jedwede Familienmodelle und – jede sozialen und bildungsbezogene Berufsausübungen in Bildungs-, Erziehung-und Betreuungsverhältnissen, was damit auch und wesentlich – die grundlegende Arbeitsmarktaufwertung der sozialen Berufe umfasst.

Eine solche, faktische, grundsätzliche Entscheidung für ein deutliches ‚Mehr‘ an Bildungsinvestitionen, die grundlegend und essentiell für Deutschland sind, können nur verwirklicht werden, wenn der bildungspolitischen Rhetorik auch kluge Strategien des tatsächlichen ‚Wollens‘ folgen im Bereich der Politik ebenso, wie in den Konkretisierungen der Administrationen, der Organisation und Gestaltung der pädagogischen Institutionen, insbesondere hinsichtlich Zeiten und Räumen, der sozialen, pädagogischen professionell- fachlichen und der finanziellen Möglichkeiten.

Dies muss klar sein, öffentlich dezidiert immer wieder neu ausgesprochen (voice) werden und durch gesellschaftliche Auf- und Umwertung, also durch aktives den Wandel Gestalten, differenziert anerkannt werden: „Bildung umfasst sehr tiefgreifend Lebenskompetenz und Lebensgestaltung und erfasst und durchdringt damit und dadurch jeden Gesellschaftsbereich“ (Wiesental, 2013). In Fragen des Ausbaus der Professionalisierung geht es eben nicht nur um die Innenverhältnisse in e i n e r pädagogischen Institution, sondern um die gesellschaftlichen Grundverhältnisse und wie diese zusammen und je einzeln agieren, sich repräsentieren, sich organisieren, finanzieren und dadurch wirkungsvoll für die Lebens-, Alltags- und Bildungsprozesse aller werden. Im besten Sinne des Wortes geht es um eine fachlich-politische Neuformulierung und Neufassung aller Grundverhältnisse unserer Gesellschaft und dies zusätzlich differenziert nach Stadt und Land, zusätzlich bezogenen auf die Bundesländer und ihre jeweilige Verfasstheit und ihre Strategien und Vorgehensweisen, die historisch gewachsen sind in

  • den Bildungsverhältnissen, Zeiten und Räumen im lebenslangen Lernen,
  • den Familienverhältnissen für Mädchen und Jungen, Mütter und Väter und das gesamte familiale und gesellschaftliche Umfeld
  • den Geschlechterverhältnissen in Richtung mehr Egalität und Solidarität, insbesonderefür Frauen, Mütter aber auch die Väter und ihre Lebensbilder,
  • den Generationsverhältnissen in demographischen Wandel,
  • den Berufsausübungs- und Arbeitsmarktverhältnissen in der Dienstleistungsgesellschaft und Informationsgesellschaft, hier vor allem der Erzieher*innen.

Dieser umfassende Wandel ist zu gestalten und dies erfordert neue Lern- und Bildungsprozesse für alle: hierin begründen sich und sind es die relevanten und wirkmächtigen Bildungsinhalte und fachlichen Realisierung der Ansprüche des Grundgesetzes, die dies ermöglichen. Dies erfordert insbesondere die Forschung auszubauen, die Ausbildung der Lehrenden als Ausbildner*innen und die Lernprozesse in den verschiedenen Praxen und Unterstützungssystemen zu qualifizieren. Da in jeder dieser Ebenen alle Akteur*innen solche Gesamtzusammenhänge und ihr jeweils eigenes berufliches, professionelles oder fachliches Wissen, Handeln und Können erlernen, ausbauen, erforschen, beraten, begleiten und weiterentwickeln müssen, gilt es dies sozialdidaktisch- wissenschafts- und hochschulpolitisch, fachlich – inhaltlich, forschungs- und entwicklungsbezogen, sowie durch arenenbezogene Übersetzungsleistungen je zu fundieren und begründet auszuarbeiten und – aus einer Metaperspektive durchgängig zu ordnen, und sozial verantwortlich zu reflektieren und neuzugestalten. Dies ist das Gebot der Stunde.
Dies sind neue Herausforderungen bis „ Feindschaften“, ganz wesentlich verbunden mit den Aktivitäten zu einem KITA – PISA Verfahren, das dann die Rechenbarkeit und die Standardisierungen der Kindheiten ins Detail betreiben würde, sind zu benennen.
All diese Punkte geben je unterschiedlich Anlass dazu, neue Formen von Vernetzung, kontinuierlichen Theorie – Praxis – Theorie- Kooperationen zu praktizieren und dadurch mehrdimensional zu einem wirkmächtigen Akteur zu werden. Dies gilt nicht nur für die Studierenden des Feldes, sondern darüber hinaus auch für den wissenschaftlichen Nachwuchs und die Lehrenden so wie alle weiteren Personen mit gemeinsamen Schnittmengen mit dem Feld der beruflichen Bildung in der Sozialpädagogik.