Eine neue Liebe ist wie ein neues Studium – Beitrag zum Wechsel nach Tübingen

Viele Kommilliton*innen überlegen zwischen den Unistandorten zu wechseln. Doch tatsächlich wechseln bleibt die Ausnahmen. Jaqueline hat den Schritt gewagt und teilt ihre Erfahrungen mit uns.

Hi liebe Leser*innen des VEbBSNewsletter,

Mein Name ist Jaqueline Jakob, ich bin 22 Jahre alt und studiere berufliches Lehramt Sozialpädagogik und Deutsch (eigentlich) im dritten Semester. Zum Wintersemester 2014 habe ich diesen Studiengang als Bachelor-Master-Studiengang in Bamberg aufgenommen, doch mir wurde sehr schnell klar, dass ich versuchen werde nach Tübingen zu wechseln. Doch warum? Bayern hat doch den besten Ruf in unserem föderalistischen Bildungssystem, also müsste die Universität in Bamberg doch auch in der Ausbildung des beruflichen Lehramtes Spitzenreiter sein, oder etwa nicht? Im beruflichen Lehramt müssen wir vor Eintritt ins Referendariat ein einjähriges Berufspraktikum in einer sozialen Einrichtung wie beispielsweise im Kindergarten absolvieren, wenn wir nicht vor dem Studium eine Berufsausbildung beispielsweise als Erzieher*in gemacht haben. Dies ist sinnvoll und notwendig, sodass wir auch Wissen über die praktischen Tätigkeiten unserer Schüler*innen haben und nicht nur Expert*innen in der Theorie sind. In Bamberg muss das 48 Wochen lange Praktikum neben dem Studium in den Semesterferien absolviert werden, wobei auch Schulpraktika in den Semesterferien liegen. Deshalb wird empfohlen das Praktikum schon vor Antritt des Studiums zu absolvieren oder ein Urlaubssemester für das Berufspraktikum einzulegen. In Tübingen hingegen ist ein großer Teil dieses Berufspraktikums ins Studium integriert, da dort das fünfte Semester für ein 6-monatiges Praktikum im Kindergarten vorgesehen ist. Das Praktikum wird als fester Bestandteil des Studiums gesehen und dient vor allem dem Erwerb beruflicher Handlungskompetenzen in Erziehung, Bildung und Förderung im Bereich der Kindertagesbetreuung sowie der vertiefenden Reflexion  der strukturellen und professionellen Kontexte. Außerdem werden die Studierenden während des Praktikums durch ein Exkursionsseminar begleitet und anschließenden wird es durch ein nachbereitendes Kolloquium plus Praktikumsbericht mit der Lehre verzahnt.

Die Studierenden müssen sich also im Anschluss an das Praktikum auch nochmal theoretisch mit ihrem Handeln in der Kindertageseinrichtung auseinandersetzen, wie es später auch von ihren Schülerinnen und Schülern, den angehenden Erzieherinnen und Erziehern erwartet wird. Des Weiteren gibt es ein Praxissemester, indem sich die Studierenden schon lange vor dem Referendariat an einer berufsbildenden Schule ausprobieren und somit ihre Eignung, wie auch ihre Motivation Lehrer*in zu werden frühzeitig überprüfen können. Auch das Praxissemester wird durch das Seminar begleitet. Somit soll der „Praxisschock“ im Referendariat verhindert werden. . Ein weiterer Vorteil in Tübingen ist es, dass der Studiengang auf 30 Studierende ausgelegt ist und somit eine sehr intensive Betreuung der Studierenden des beruflichen Lehramtes ermöglicht wird. Im Fach Sozialpädagogik hat man außerdem eine Platzgarantie für die Seminarplätze, da die Seminare speziell für das berufliche Lehramt vorgesehen sind. Somit wird von Anfang an auch die Fachdidaktik mit vermittelt. In Bamberg hingegen ist man den gesamten Bachelorstudiengang über mit den Bachelor Pädagogik-Studierenden in den Seminaren und somit kann nicht individuell auf die Bedürfnisse und die spätere Tätigkeit als Lehrer*in eingegangen werden. In Bamberg wird in den Seminaren etc. oftmals bemängelt, dass der Studiengang Berufliche Bildung von vielen Dozenten schlicht und ergreifend vergessen wird. In Tübingen existiert dieses „Problem“ nur in den Zweitfächern wie bei mir in Deutsch, da es sich um einen sehr exklusiven und kleinen Studiengang handelt, jedoch nicht in Sozialpädagogik. In Bamberg gibt es erst im Master eigene Seminare für das berufliche Lehramt und somit wird auch erst im dreisemestrigen Masterstudium die Fachdidaktik in Sozialpädagogik vermittelt. Außerdem bin ich nun in Tübingen in den letzten Staatsexamensstudiengang gerutscht, was ich persönlich auch besser finde, jedoch wird auch in Tübingen zum kommenden Wintersemester von Staatsexamen auf Bachelor-Master of Education umgestellt. Bei allen Vorteilen, die ich nun bezüglich des Wechsels aufgezählt habe, hat dieser auch Nachteile mit sich gebracht. Nämlich sind die Studiengänge in Tübingen und Bamberg anders aufgebaut. In Tübingen wird im ersten Semester die frühkindliche Bildung behandelt, welches in Bamberg erst im fünften Semester durch Elementar- und Familienpädagogik vorgesehen ist. Deshalb konnte ich nicht direkt ins dritte Fachsemester hochgestuft werden, sondern habe das Studium wieder im ersten Semester begonnen. Auch bei der Anrechnung von Studienleistungen aus Bamberg habe ich festgestellt, dass es Unterschiede zwischen den beiden Standorten gibt. So gibt es für die allermeisten Module, die ich bisher abgeschlossen habe in Tübingen weniger Leistungspunkte als in Bamberg, da dort eine andere Gewichtung vorherrscht. Somit habe ich von ca. 50 Leistungspunkten nur rund 30 Punkte angerechnet bekommen. Dennoch bereue ich den Wechsel auf keinen Fall und bin sehr glücklich nun mein Studium in Tübingen fortsetzen zu können.In diesem Sinne auch ein großes Dankeschön an den Vorstand von VEbBS, der mir während der Zeit meines Universitäts-Wechsels immer mit Rat und Tat zur Seite stand.


Wir danken Jaqueline für diesen spannenden Bericht. Wenn auch ihr einen Wechsel zu einer anderen Uni plant oder eure Erfahrungen mit VEbBS teilen wollt, könnt ihr uns gerne anschreiben und wir stehen euch beratend zur Seite.