Umbrüche im Lebenslauf: Herausforderung und Chance zugleich


Umbrüche- allein das Wort löst bei mir meistens erstmal aus, dass ich die Luft anhalte und denk: „Oh nein, was kommt jetzt?“ Es steckt ja schon im Wort drin, dass irgendetwas „zerbricht“ bzw. „umbricht“- aber tut es das wirklich? Was sind überhaupt Umbrüche? Betrachte ich doch mal mein Leben, um zu schauen, welche Umbrüche ich schon so erlebt habe: Als erstes fällt mir mein Umbruch vom Abi ins Ausland ein; dann vom Ausland weiter in die Uni. Das war mit relativ viel Veränderung und Umbruch verbunden: Umzug, neue Freundschaften, neue Verantwortung und ein neues Umfeld. Alte Freundschaften veränderten sich, gingen ganz auseinander oder verloren zumindest an Intensität.

Umbruch hieß auch, dass ich nicht bis ins Detail wusste, was auf mich zukommt, es wurden neue Erwartungen an mich gestellt, die ich erstmal rausfinden muss. Meine Rolle hatte sich verändert. Das war zwar herausfordernd, aber auch die Chance, dass ich frei von alten, festgefahrenen Rollenzuschreibungen neue Menschen kennen lernte. Aus dieser Ungewissheit und dem Neuen – was aufregend und beängstigend zugleich ist – resultiert scheinbar, dass Umbrüche Sorge, Bedenken und Angst auslösen können. Mir fallen auch noch andere Umbrüche ein, die nicht von mir selbst ausgelöst wurden – zum Beispiel der Übergang in die Grundschule. Es wurde ja durch meine Eltern veranlasst, dass ich dort angekommen bin. Was ein Luxus. Mein beruflicher Werdegang hingegen ist irgendwann immer mehr zu meiner eigenen Entscheidung geworden und die Umbrüche werden durchs Erwachsenwerden  nicht weniger- im Gegenteil.

Mein nächster, in Sichtweise befindender Umbruch, ist mein Referendariat. Ich mache mir immer mal wieder Sorgen, um das was dann kommt: Wo soll ich hin, welche neuen Erwartungen werden an mich gestellt, werden die Unterrichtsbesuche wirklich so schlimm wie alle sagen? Ich denke, dass mir eine Strategie immer sehr geholfen hat, mit dieser Ungewissheit umzugehen, nämlich mir mein Ziel wieder ganz konkret vor Augen zu führen. In diesem Fall heißt mein Ziel Lehrerin zu werden, weil das mein absoluter Traumberuf ist. Diese Fokussierung hilft mir, dass ich selbstbewusst den bevorstehenden Umbruch entgegengehe, meine Segel neu setze und weiß, dass er zur Erreichung meines Ziels dazugehört.

Umbruch heißt Loslassen, um etwas Neues anzunehmen. Loslassen kann schwer sein, aber auch befreiend, weil es offen für Neues macht. So freue ich mich bspw. über jede „alte Freundschaft“ die ich mit in meinen neuen Lebensabschnitt nehme, aber ich mache mir auch bewusst, dass sich manche Freundschaften verändern werden. Sicherlich lass ich von der Uni los, von meinen Nebenjobs, die ich so gerne mag und von Pflichten, die mit dem Studium verbunden waren. Nur durch das Loslassen kann ich Neues wagen, ohne wehmütig, sondern dankbar zurück zu schauen auf all das, was mich bis hierhin gebracht hat. Außerdem werden Umbrüche nicht kleiner, wenn ich sie versuche aufzuschieben.

Das will ich gerne an einem Bild beschreiben: Ich bin vor ein paar Jahren mal Fallschirm gesprungen. Als ich in 4000 Meter Höhe oben am Flugzeugrand saß, war ich mir ziemlich sicher, dass es eine dumme Idee ist, rauszuspringen. Als ich unten angekommen war. (okay, es war ein Tandemsprung und ich musste nicht selber springen) wusste ich, dass es die beste Entscheidung überhaupt war. Was ich mit dem Bild ausdrücken will, ist Folgendes: Sich seinem Umbruch stellen, ist manchmal einfacher, als an der Klippe oder Flugzeugkante stehen zu bleiben und nach unten zu schauen. Nur ein Sprung macht es möglich, dass ich am Boden oder an meinem Ziel ankomme. Aufschieberitis macht den Sprung nicht einfacher- das weiß jeder, der schon mal vom 3- Meter- Brett springen musste. Das Wagnis Umbruch ist mit vielen Aufgaben, Pflichten und Ansprüchen verbunden, aber ich kann sie nur bewältigen, wenn ich mich ihnen stelle. Außerdem sind Umbrüche gar nicht so negativ, wie ich anfangs oft annehme. Sie sind vielmehr eine Chance um zu Wachsen und ein weiterer Schritt Richtung Ziel.

Pina Wolff, 26 Jahre alt, studiert in Lüneburg im Master Berufliche Bildung der Sozialpädagogik mit dem Nebenfach evangelische Religion