Netzwerken in der Sozialpädagogik

Pina2Als Sozialpädagogin und auch, weil ich gerne bei VEbBS e.V. mitarbeite und mich einbringe, habe ich erlebt, dass eine funktionierende Vernetzung bzw. ein breites Netzwerk immer wieder zur Bereicherung und Erleichterung der sozialpädagogischen Arbeit führen. Auch in meinem privaten Alltag habe ich bei vielen Fragen und Herausforderungen, wie z.B. der Jobsuche schon vom sogenannten „Vitamin B“ profitiert. Ich denke, dass es auch keiner großen Diskussionen bedarf, ob die Vernetzung und die Netzwerkarbeit im sozialpädagogischen Feld notwendig ist. Das ergibt sich ja schon durch die Tatsache, dass Soziale Arbeit immer in Interaktion stattfindet, also immer im direkten Kontakt mit anderen Menschen und ihren Adressat*innen. Für den Bereich der Schule beruht die Zusammenarbeit sogar auf einer gesetzlichen Verankerung.

„Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen, deren Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Menschen und ihrer Familien auswirkt, insbesondere  mit Schulen und Stellen der Schulverwaltung (…) zusammenzuarbeiten.“ (KJHG § 81 in: Groß 2006).

Dieser gesetzliche Anspruch macht Netzwerkarbeit und Kooperation für alle Fachkräfte im sozialpädagogischen Feld und für Lehrer*innen zu einem wichtigen Thema. Mir ist jedoch aufgefallen, dass obwohl sich jeder über den Vorteil, ja sogar die Verpflichtung einer funktionierenden Vernetzung bewusst zu sein scheint, keine systematische und begriffliche Auseinandersetzung bezüglich der Netzwerkarbeit stattfindet (vgl. Groß 2006, 2).

In diese Forschungslücke möchte ich mich hineinbegeben und mich speziell in meiner Master Thesis mit der Thematik auseinandersetzen.  Erste Anhaltspunkte sind für mich bspw. die Frage, wie der Begriff „Netzwerk“ speziell für die Sozialpädagogik ausformuliert und definiert werden kann, um ihn nicht unreflektiert oder inflationär zu verwenden. Dabei finde ich spannend, welche Kriterien er erfüllen muss und welche Anforderungen einer Definition zu Grunde liegen sollten. Mit dem Wort „Netzwerk“ ist ein aktiver Charakter verbunden. Es heißt ja schließlich „Werk“- also ein „Werk“, dass nicht aus dem Nichts, sondern nur durch Engagement, Initiative, Arbeit und Zusammenarbeit entsteht. Eine Definition des Begriffs speziell für die Sozialpädagogik und eine Formulierung der Anforderungen kann darüber hinaus ein Baustein für die Professionalisierung der Sozialen Arbeit/ Sozialpädagogik sein, weil er professionelle Anforderungen und erforderliches Fachwissen für eine funktionierende Netzwerkarbeit erkenntlich macht. Darin liegt meine Motivation, mich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen: Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass die Sozialpädagogik weiterhin professioneller wird. In anderen Worten: Ich möchte zur Weiterentwicklung der Sozialpädagogik sowie der Wertschätzung und Aufwertung aller sozialpädagogischen Berufe beitragen- darin liegt mein Herzstück für die Forschung der Netzwerkarbeit. Denn je mehr eine Profession an Wertschätzung erlangt, desto mehr kann sie sich auch entfalten. Ich bin gespannt und neugierig auf den Forschungsprozess und freue mich sehr über alle Unterstützung, Tipps und Anregungen von allen Beteiligten aus dem Netzwerk VEEbS.

Literatur:

Groß, Dirk (2006): Netzwerkarbeit als Methode für die Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule. Überarbeitetes Skript des Vortrages anlässlich der Abschlussveranstaltung des Hochschulkurses „Schule und Soziale Arbeit“ an der Katholischen Fachhochschule für Soziale Arbeit in Saarbrücken.

One Comment on “Netzwerken in der Sozialpädagogik

  1. Liebe Pina.
    Das ist ein spannendes Feld in dem du dort forschst. Bei Theorien von Netzwerken werden vielfach die einzelnen Punkte mit Linien verbunden. Daraus entsteht dann ein Geflecht von verschiedenen Akteur*innen. Dabei wird die verbindende Linie über die Punkte, die diese begrenzen definiert. Man könnte auch sagen, die Beziehung ist durch die beiden Beziehungsendpunkte bestimmt. Dabei ist meist der Weg von A nach B der gleiche wie B nach A. In einem Seminar, dass ich gerade besuche lesen wir ein Buch von Tim Ingold. Dieser Mann versteht die Beziehung zwischen Punkt und Linie genau anders herum. Ebenso spricht er nicht von networks sondern von meshworks indem Linien zuerst da sind und in ihrer Verknotung erst „Punkte“ entstehen. Vielleicht ist diese Idee für dich als Kontrast fruchtbar und kann auf einer anderen Ebene Netzwerken in der Sozialpädagogik als Beziehungsgeflecht neu positionieren.

    Ingold, Tim (2015): the life of lines. Oxon und New York: Routledge