Ausbau Lehrende? – Dringend benötigt!

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Entwurf – Entwurf – Entwurf

Betrifft: Dringend benötigter Ausbau der Lehrendenkapazitäten in der Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit/ Elementarpädagogik und Pädagogik der Kindheit

Sehr geehrte Kolleg*innen,

Sehr geehrte Funktionsträger*innen,

Sehr geehrte Netzwerker*innen,

ein vielfältiges, gesundes, friedvolles und anregendes Jahr 2017 mit viel Freude und Erfolg.

Gleich zu Beginn sind wir gemeinsam herausgefordert durch den unabweisbaren, dabei aber fast unsichtbar gemachten, Lehrendenmangel in allen Bereichen des Sozialen. Es ist sehr dringend, dass wir mit „einer Stimme“  diese auch begründet erheben, um eine solche konzertierte „Voice“ in den Wahlkämpfen dieses Jahres im Bund und den Ländern geltend zu machen.

Es geht um den eklatanten und steigenden Mangel an Lehrenden für Soziale Berufe und Professionen auf allen Ebenen: Universitäts-, Hochschul- und Berufsbildungsgangsebenen, denn es ist faktisch und keineswegs postfaktisch 3,5 Minuten vor 12.00, soll das Fach- und Kompetenzniveau in allen Feldern, insbesondere aber in der Kinder- und Jungendhilfe nicht vollständig einbrechen und zu vollständig inakzeptablen, dann nur noch billigen Wegen führen, dem weiter steigenden Fachkräftebedarf zu begegnen.

Im Einzelnen, an herausgehobenen Beispielen illustriert:

  • Eine bilanzierende Zusammenschau der erwartbaren Veränderungen in Arbeitsmarkt und Wirtschaft durch den ’Megatrend Digitalisierung‘ (verdi 2016) kommt zu dem Ergebnis, dass maximal 7 % der „ sozialen und kulturellen Dienstleistungen“ digitalisierbar sind, gegenüber bis zu 73 % in allen anderen Bereichen. Gleichzeitig wird ein Anstieg der Erwerbspersonen in diesem Bereich auf bis zu 9.ooo.ooo prognostiziert und ihre Bedeutung für die Lebenslagen und Lebenswelten, also die Lebensgrundlagen, argumentiert.

Dies fordert geradezu direkt dazu heraus, die nunmehr noch unabweisbarere Bedeutung der Sozialen Professionen und Berufe gesellschaftlich sehr viel deutlicher zu machen und ihre Anerkennung einzufordern, genauso, wie die Tatsache, dass diese 9 Mill. Menschen kompetentes soziales Handeln, Arbeiten und Professionsein erlernen können müssen und hierzu bedarf es entsprechend kompetenter Lehrender.

  • Der Zwischenbericht „ Frühe Bildung weiterentwickeln und finanziell sichern“ (BLK Nov. 2016) fordert den weiteren Ausbau der Anzahl der Fachkräfte und dabei auch die Anhebung des Anteils akademisch aus- gebildeter. Auch diese müssen studieren können, mithin benötigen sie weitere Lehrende.
  • Und die aktuellste Nachricht von DIW und WZB ( 2.1.2017) besagt einhellig, dass weiterhin 228.000 Plätze im Krippen- und Kitabereich fehlen, und dies auch den Elternwünschen entspricht ( Bertelsmann, 2016 ), was bedeutet, dass der Ausbau seit 2005 zuzüglich dieser ausstehenden Bedarfe ebenfalls Fachkräfte benötigt und Orte und Zeiten, in denen diese professionelle soziale Fachlichkeit erworben und ausgebaut werden kann.
  • Die Folge des Gesamtumbaus des Kinderlebens zu ganztägigem sich Bilden, Leben und Lernen in öffentlich verantworteten Institutionen wird alle biographisch nachfolgenden Organisationen umgreifen, ist somit erwartbar, prognostizierbar, aber noch keineswegs empirisch gehaltvoll beschreibbar.

Auffällig ist, dass diejenigen Lehrenden, die in den verschiedenen Formen grundständiger Studiengänge bis Berufsbildungsgänge diese Zukünfte qualitätsvoll gestalten (sollen) weder mitberücksichtigt oder gar mit – berechnet werden.

Deswegen fordern wir:

  • In jedem Bundesland mindestens einen Studienstandort für das Lehramt an Berufsbildenden Schulen, Fachrichtung Sozialpädagogik einzurichten, mit Studienkapazitäten für diese Multiplikator*innen im Umfang von mindestens 2.ooo Studierenden jährlich, und somit ab 2022 entsprechenden Absolvent*innenzahlen für den Generationenwechsel u n d den skizzierten Ausbau im Interesse der basalen Lebensqualitäten in Deutschland.
  • In jedem Bundesland einen deutlichen Ausbau der Studienplätze in Sozialer Arbeit, Sozialpädagogik, Elementar- und Kindheitspädagogik, insbesondere auf Master Ebene, konsekutiv und als Weiterbildungen, um auch die Fort- und Weiterbildung einbeziehen zu können, und
  • Promotions- und wissenschaftliche Nachwuchsprogramme, auch dezidiert gewidmet dem Weg in Universitäts- und Hochschullehre, klassisch basierend und fundiert in Forschung und Lehre im Generationenwechsel im gesamten Sozialen Professionsbereich.

Diese Forderungen werden gemeinschaftlich vertreten und richten sich an die Wissenschafts-, Kultus- und Sozialpolitik, rsp. – administrativen der Bundesländer und des Bundes, die BLK, die KMK und den Bundesrat.

Die Forderungen können bereichsbezogen konkretisiert werden.

Sie werden als Prüffragen an die Wahlprogramme und die Politiker*innen, aktiv herangetragen und professions- und berufspolitisch veröffentlicht.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Karsten

 

Maria-Eleonora Karsten ist Professorin für Sozialadministration und -management an der Leuphana Universität Lüneburg und Gründungsmitglied bei VEbBS e.V.