Lernen lernen kann jeder

In der sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen begegnet einem immer wieder, dass Lernschwierigkeiten in Schule und Beruf Auslöser tiefgreifender Krisen sind. Das Kind/ der Jugendliche wird den Anforderungen von Schule und Ausbildung nicht gerecht und versteht sich als gescheitert.

Jedoch Lernen lernen kann jeder.

Dieser Artikel beschreibt in groben Zügen wie hirnphysiologisches Lernen funktioniert.

Lernen erfordert drei Dinge:

  • den Zugang zu spezifischen Hirnregionen
  • die Fähigkeit, diese Gehirnfunktionen zu integrieren
  • die Aufrechterhaltung der Integration unter Stress

Sehen mit beiden Augen, hören mit beiden Ohren, sich koordiniert bewegen können, glauben Sie nicht, dass dies Fähigkeiten sind die allen Kindern/Erwachsenen zu Verfügung stehen. Bei vielen Kindern/Erwachsenen ist dies nicht gegeben und muss gelernt werden. Über Lernen ist vieles bekannt, untersucht und angemerkt worden. An Vorschlägen wie besser gelernt werden kann mangelt es nicht. Leider ist die Brauchbarkeit vieler dieser Vorschläge erst in der Zukunft überprüfbar.

Unser Gehirn ist so aufgebaut, dass es als Ganzes und integrativ funktioniert und linke und rechte Hirnhälfte sowie Vorderhirn und der Hirnstamm beim Lernen gleichermaßen beteiligt sind. Mit der linken Hirnhälfte haben wir die Fähigkeit, unsere Gedanken in Worte umzusetzen, mit der rechten, Bilder zu assoziieren. Unser Vorderhirn kann Neues stressfrei lernen, unser Hirnstamm hat alles gespeichert was wir je gelernt haben und darauf kann das Neue aufgebaut werden. Stress und oder eine Gesellschaft, die eher Nachahmung statt Kreativität erwartet, sorgen dafür, dass Teile unseres Gehirn beim Lernen zu kurz kommen. Deshalb sind viele von uns zu bestimmten Zeiten oder in bestimmten Bereichen „lernbehindert”, z.B. beim Schreiben, Lesen, Rechnen, Sprechen.

Die Fähigkeit des Überkreuzens der Körpermittellinien ist  unentbehrlich und verhilft zu einem guten Fundament für leichtes Lernen bei allen Lebensaktivitäten. Es geht darum, die für Lernen notwendigen Grundlagen zu schaffen. Beim integrierten Lernen werden die notwendigen zentralen Hirnfunktionen so integriert, dass ein Lernen mit dem ganzen Gehirn möglich wird, und wir können kommunizieren, organisieren und verstehen.

Die vier Stadien des Lernens

  1. Sie wissen noch nicht, dass sie etwas nicht können.
    Sie sind unbewusst Inkompetent
  2. Sie wissen, dass sie etwas nicht können.
    Ihre Inkompetenz wird ihnen bewusst.

Sie verstehen was zu lernen ist.

Lernschritt verstehen: Die Muskulatur muss entspannt sein

  1. Sie haben verstanden wie es geht, benötigen alle Kraft und Konzentration dazu es zu können.

Ihre Kompetenz ist Ihnen bewusst.
Durch häufiges wiederholen des Gelernten fällt das Handeln immer leichter. Die Muskulatur muss angespannt sein.

Lernschritt automatisieren

  1. Sie haben das zu Lernende integriert, sie handeln ohne daran denken zu müssen. Ihre neue Fähigkeit ist im Unbewussten integriert.

Integriertes Lernen bedeutet die direkte Verbindung der linken und rechten Hirnhälfte über den Balken (corpus callosum) des Gehirns. Die Beweglichkeit der Augen in alle Richtungen. Bei allen  Augenstellungen ein klares Bild bekommen. Die Fähigkeit zwischen hoher und niedriger Muskelspannung  in Sekundenbruchteilen wechseln zu können. Hohe Muskelspannung,  Gelerntes nutzen, niedrige Muskelspannung, neu lernen.

Die Fähigkeit zwischen den instinktiven Handlungsweisen ( im limbischen System des Gehirns angelegt) und dem Willen eine Entscheidung treffen zu können. Sich zu konzentrieren. Die Balance im Körper selber. Die Fähigkeit einer Sache seine volle Aufmerksamkeit zu widmen dabei aber auch den Überblick für die Gesamtsituation behalten. Neu gelerntes mit bereits vorhandenem zu verknüpfen. Handlungsaktiv sein und den Kontext zu erkennen in dem ich handele.

Die Fähigkeit des Hirn- Rückenmarksystems die Hirnflüssigkeit frei zu bewegen um Druck und Erschütterung auf das Gehirn zu vermeiden. Dafür müssen die Knochenplatten des Kopfes frei zueinander beweglich sein und freie Sakralwirbel vorhanden sein.

Der amerikanische Pädagoge Dr. Paul Dennison entdeckte bei seiner Arbeit mit Kindern und Erwachsenen, die Lernprobleme hatten, dass gerade Stresssituationen ihre Denkfähigkeit teilweise blockierte. Bei weiteren Tests stellte sich heraus, dass das bei den meisten Menschen so war. Solche energetischen Beeinträchtigungen des Gehirns werden als Lernblockaden bezeichnet. Unsere Bewegungsempfindung beeinflusst nicht nur unser gesamtes Wohlbefinden, sondern wirkt sich auf die Fähigkeit  zu denken aus. Durch gezielte psychomotorische Übungen lässt sich herausfinden in welchen Bereichen sich Stress manifestiert, und durch das Üben und verbessern dieser Bewegungen kann dem Stress entgegengewirkt werden und mit ihm einhergehende Energieblockaden ausgeglichen werden. Bevor man einem Menschen zuschreibt er sei nicht fähig zu lernen, oder er würde sich verweigern, sollte man sich seine Fähigkeit sich koordiniert zu bewegen, anschauen. In vielen Fällen wird es für Menschen leichter zu lernen, wenn es ihnen gelingt sich koordiniert zu bewegen.

Rudolf Schießl Jahrgang 1950. Studium der Sozialarbeit an der Hochschule Düsseldorf, Studium der Philosophie an den Universitäten Köln und Marburg. Ausbildung als Kinesiologe und Lernberater beim IAK Kirchzarthen.