Fortbildung Fachwirtin in Kindertagesstätten – Kolumne Teil 2

Teil 1 der Kolumne

Hallo, mein Name ist Regine Vergöhl. Heute möchte ich berichten, wie es mit meiner Fortbildung zur Fachwirtin in Kindertagesstätten weitergeht.

Der Unterricht dieser Langzeit- Fortbildung findet in verschiedenen Bausteinen an Wochenenden (freitags 14:30 -20:30 Uhr und samstags 9 – 16 Uhr) und in zwei  Bildungswochen statt. Zusätzlich kommen noch Termine für Kleingruppentreffen (kollegiale Beratung) hinzu. Das bedeutet nicht nur, dass ich oft von meiner Arbeit frei gestellt werde, sondern auch, dass ich sehr viel Freizeit dafür aufwenden muss und natürlich möchte. Also habe ich auf meiner persönlichen Freizeitliste ein Hobby gestrichen: ab sofort singt der Rethemer Gospelchor leider ohne mich.

Mein erster Schultag stand bevor….

Der zuvor als E-Mail eingegangenen Teilnehmerliste konnte ich entnehmen, dass die anderen Teilnehmerinnen deutlich jünger sind als ich (viele könnten meine Kinder sein). Erste Zweifel kamen in mir auf: Kann ich den Anforderungen dieser Fortbildung gerecht werden? Bin ich zu alt um mich auf diese anspruchsvollen Themen  einzulassen und sie zu verstehen? Wie wird die Gruppe mich als Ältere aufnehmen, zumal ich ja den ersten Baustein (Einführungsseminar) schon verpasst habe?

Und dann kam auch schon mein „erster Schultag“. Sehr aufgeregt machte ich mich auf den Weg nach Neustadt am Rübenberge. Dort findet der Lehrgang an der VHS Hannover Nord statt. Lehrbeauftrage sind Herr Jens C. Möller und ein  Dozent*innen-Team.

Doch meine Aufregung war zum Glück umsonst, ich wurde sehr herzlich von den Teilnehmerinnen aufgenommen und fühlte mich schnell  in die Gruppe integriert. Das erste „Schulwochenende“ verging wie im Flug, und ich merkte, dass es mir Spaß macht mich auf die anspruchsvollen Themen, wie zum Beispiel Kollegiale Beratung, Gesprächsführung, Supervision, Zeitmanagement und  Arbeitsorganisation einzulassen. Gerade das Thema Zeitmanagement fand ich sehr spannend, denn hier sehe ich in meiner beruflichen und  persönlichen Entwicklung noch Entwicklungspotential….

Besonders interessant war für mich die Einheit zur Teamentwicklung. Dieses Thema haben wir ausführlich in unserer Bildungswoche behandelt. In der Gruppe haben wir uns intensiv mit teambezogenen  Fragen auseinandergesetzt: z.B. Was zeichnet  ein gutes Team aus? Was gibt es für verschiedene Teammodelle? Welchen Phasen der Teamentwicklung gibt es? Was sind Merkmale eines erfolgreichen Teams? Was gibt es für Rollen in einem Team?

Dabei haben wir uns immer wieder mit unserer eigenen Position auseinander gesetzt und ich  konnte für mich  und mein Team viele Rückschlüsse ziehen. Dadurch sind viele Prozesse im eigenen Team für mich nun besser nachvollziehbar.

Die Bildungswoche fand ich sehr erfolgreich. Sich eine Woche lang intensiv mit den oben genannten Themen zu beschäftigen hat Spaß gemacht. Besonders spannend war es die Phasen des Gruppenentwicklungsprozesses genau zu beleuchten. Dabei ich hatte viele AHA- Momente in Bezug auf mein eigenes Team, wie auch für die Teamentwicklung in unserer Gruppe der Fachwirtinnen war diese Woche eine wichtige Erfahrung. Ich konnte mich auch deshalb relativ entspannt auf die Bildungswoche einlassen, da in meiner Krippengruppe für eine zuverlässige Vertretung gesorgt war.  Wir hatten zu dieser Zeit eine Eingewöhnung von Zwillingen mit einem Handicap, so dass ich ein schlechtes Gewissen hatte zu fehlen. In dieser Phase ist eine optimale personelle Besetzung, die auch schon tragfähige Beziehungen zu den Zwilligen besitzt, besonders wichtig. Eine Eingewöhnung ist immer wieder eine besondere Herausforderung und ein gutes Gelingen ist wichtig für das Ankommen und die weitere Entwicklung der Kinder in unserer Einrichtung. Doch meine Kolleginnen machten mir deutlich, dass sie mich zwar vermissen, aber auch ohne mich zurecht kommen würden. Ein gutes Gefühl.

Zusammenfassend kann ich feststellen, dass bis jetzt die Fortbildung sehr bereichernd für mich ist. Ich freue mich schon auf die nächsten Themen. Auch wenn ich über viele Jahre Berufserfahrung verfüge, finde ich es ganz wichtig, vorhandenes Wissen aufzufrischen und neuen Input zu bekommen. Ganz gespannt bin ich auf die „ Neulandthemen“. Großen Respekt habe ich noch vor der Herausforderung, ein Referat zu halten und eine Facharbeit zu schreiben. Schließlich fällt es einem im Alter nicht mehr ganz so leicht vorhandenes Wissen “auszugraben“, sich neues Wissen anzueignen und es dann auch noch fundiert nieder zu schreiben.

Ein ganz wichtiger Bestandteil der Fortbildung ist die kollegiale Beratung, darüber möchte ich später berichten.

Übrigens: Beim schreiben dieses Artikels habe ich noch mal in meine Unterlagen geschaut und mit Schrecken festgestellt, dass ich beinah meine Hausaufgaben vergessen hätte. Beim Thema Arbeitsorganisation muss ich also demnächst besser aufpassen.

 

Regine Vergöhl, 50 Jahre alt, ist Erzieherin in der Krippengruppe einer Kindertagesstätte, und macht seit Kurzem eine Fortbildung zur „Fachwirt/in in Kindertagesstätten“. Für unser Journal schreibt sie darüber eine ausbildungsbegleitende Kolumne.