Engagiert euch!

Sich für seine eigene Lebenswelt einzusetzen und zu engagieren ist nicht nur sinnvoll, sondern macht auch Spaß. Die gemeinsame Arbeit in der Studiengangsvertretung erzeugt ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl und ein gegenseitiges Anerkennen für die Herausforderungen im Studium. Sich mit Gleichgesinnten zu treffen und auszutauschen bereitet einfach Freude.
Diese gegenseitige Anerkennung geht dabei weit über den Eigennutzen hinaus. Ehrenamtliches Engagement ist vielen Akteur*innen in unserer Bildungslandschaft sehr wichtig. Wer genügend Engagement nachweisen kann, bekommt an einigen Universitäten (z.B. der Leuphana Universität Lüneburg) eher einen Studienplatz und auch bei den Bewerbungen für Stipendien und der Verlängerung der Bafög Laufzeit ist ehrenamtliches Engagement eines der entscheidenden Kriterien.
Sich vor Ort für seinen Studiengang in unserem Feld zu engagieren, erfordert meist einen sehr hohen Zeitaufwand, kostet zusätzlich viel Kraft und meistens direkt oder indirekt Geld. Ehrenamt und Studium unter einen Hut zu bekommen scheint daher eine große Herausforderung zu sein. Durch das Engagement in der Studiengangsvertretung wird das eigene Handeln von vielen Seiten kritisch beobachtet. Kommiliton*innen fangen an, sich auf mich zu verlassen und mir selbst kommt es so vor, dass plötzlich die Aufgaben neben dem Studium mindestens genauso wichtig sind, wie das Studium selbst.
So gabe es öfter Situationen, in denen sich Kommiliton*innen an mich gewandt haben, weil die Prüfungsleistung in einem Modul subjektiv unangemessen schien. Als engagierter Mensch wollte ich mich dann intensiv um dieses Anliegen bemühen. Ich habe versucht mein eigenes Netzwerk zur Verfügung zu stellen, um genauer herauszuarbeiten, ob die Prüfungsleistung wirklich anders sein sollte. Das kostete mich allerdings Zeit. Zeit, die ich eigentlich zum Vor- oder Nachbereiten meiner eigenen Seminare und Vorlesungen eingeplant hatte.
Wenn solch ein Fall nur gelegentlich auftreten würde, wäre es auch kein Problem, aber viele studentische Vertreter*innen werden bestätigen, dass dies mit der Zeit eher zur Regel als zur Ausnahme wird. Je besser ich mich in meinem Ehrenamt bewährt habe, desto mehr schien es mit meinem Studium zu Konflikten zu führen und sich negativ auf meine Leistungen auszuwirken. Doch das muss nicht sein. Im Zweifel solltet ihr euch immer für euer Studium entscheiden, denn Studium geht vor.
Die Zeit, die euch dann noch für das Ehrenamt bleibt, lohnt sich auch für euch selbst. Durch den ehrenamtlichen Einsatz und die direkte Beteiligung an den eigenen Strukturen entstehen beispielsweise viele Vorteile, die das Studium an anderer Stelle wieder erleichtern. Es ist zwar nervig, ständig wegen Unklarheiten zur Prüfungsordnung von Kommiliton*innen angesprochen zu werden, aber es ist auch von unschätzbarem Vorteil seine Prüfungsordnung besser zu kennen, als die meisten Professor*innen dies tun.
Viele Lehrende messen die Anforderungen an den Workload oder die Prüfungsleistung eher an eigenen Vorstellungen und Wünschen, als sich an den geltenden Ordnungen und Vorschriften zu orientieren. Doch da sich meistens auch niemand ernsthaft und an der richtigen Stelle darüber beschwert, können sie dies auch ungestraft tun. Nur wer sich gut auskennt, kann die eigenen Strukturen auch mitverhandeln.
Inzwischen bin ich selbst nicht mehr direkt in der Studiengangsvertretung aktiv. Mit vielen anderen Engagierten bei VEbBS versuche ich jedoch die jeweiligen Studiengangsvertretungen in Bamberg, Dresden, Dortmund, Lüneburg und Tübingen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Gemeinsam wollen wir die, die sich bereits engagieren, in ihrer Arbeit entlasten und ihnen durch den Austausch und das Netzwerk helfen. Gleichzeitig entsteht so eine noch größere Gruppe von Gleichgesinnten. Und wir alle freuen uns über jede*n weitere*n Kommilliton*in die Teil dieses Netzwerkes sein wollen.
Der ehrenamtliche Einsatz hat aber auch noch weitere Vorteile. Zu wissen, wie vielfältig die Probleme und Herausforderungen der eigenen Kommiliton*innen im Studium sind und sie immer wieder dabei zu beraten und an andere Ansprechpartner*innen zu verweisen, lässt mich viel entspannter und gelassener mit den eigenen Herausforderungen umgehen. Und in den meisten Fällen sind es nicht die Anforderungen des Studiums direkt, die mich so stressen, sondern die eigenen Sorgen, Ängste und Unsicherheiten, die ich mit diesen Anforderungen verknüpfe. Ohne diese Sorgen, Ängste und Unsicherheiten, lässt sich das Studium an vielen Stellen oft sehr gut bewältigen. Wer sich ehrenamtlich für sein Studium engagiert, studiert also trotz der Mehrbelastung unter Umständen entspannter. Der ehrenamtliche Einsatz wird so ein Teil des Studiums und zu einem wichtigen Bestandteil der Selbstbildung. Wer für sich eine gute Mischung findet, für die*den heißt es dann nicht Studium vs. Ehrenamt, sondern Studium und Ehrenamt. Zu einem Studium gehört ohnehin mehr, als der Erwerb von Credit Points.
Also, engagiert euch! Wenn ihr Interesse habt, wendet euch entweder an eure Studiengangsvertretung oder an uns und wir vermitteln gerne.

Franz Vergöhl hat in Lüneburg Berufsschullehramt  – Fachrichtung Sozialpädagogik studiert und sich währenddessen sechs Jahre in der Fachgruppenvertretung und Fachschaft engagiert. Zur Zeit ist er Vorsitzender bei VEbBS.