Zeugniskonferenzen an Berufsbildenden Schulen

Das erste Halbjahr ist geschafft. Die Hürde mündlicher und schriftlicher Notengebung wurde erfolgreich genommen – es ist schwerer als man denken mag, da die zuvor erworbenen Theorien an der Universität den realen Schüler*innen kaum gerecht werden können. Im Folgenden ein kurzer Einblick zweier Referendarinnen, die in Lüneburg Lehramt an Berufsbildenden Schulen – Fachrichtung Sozialpädagogik studierten, in die Zeit vor und während der Zeugniskonferenzen.

1. Torschlusspanik

So ein Schreck. Natürlich waren die Notenabgabetermine bereits seit dem Schuljahresanfang bekannt, jedoch darf man nicht davon ausgehen, dass die eigene Planung von Präsentations- und Abgabeterminen mit der Realität konform gehen muss. Ob Terminverschiebungen wegen Planungsfehlern (manche Referate brauchen nun einmal mehr Zeit, da wir ja den Schüler*innen und ihrem Arbeitsaufwand gerecht werden wollen und Reflexionen wichtig sind) oder Schüler*innen, die nachschreiben müssen – kurz vor dem Abgabetermin liegen nie alle Noten vor. Innerhalb kürzester Zeit müssen nun Nachschreibetermine gefunden, Klausuren korrigiert, Präsentationen bewertet, mündliche Rückmeldungen gegeben und dies teilweise mit Kolleg*innen abgesprochen werden.

2. Deadline

Spätestens eine Woche bevor die Noten letztendlich vorliegen müssen, beginnt die Suche nach den Klassenlisten: Eigentlich sollten diese dann in den Fächern der Klassenbücher bzw. der jeweiligen Klassenlehrer*in liegen, aber wenn man gerade Zeit hat, sind sie unauffindbar. Nach erfolgreicher Suche, inklusive der Recherche bei Kolleg*innen können die Noten dann übertragen werden. Pech für die Person, welche als letzte ihre Noten für ein Fach bzw. Lernfeld einträgt, das sie sich mit anderen Lehrer*innen teilt: Nun muss alles addiert, der Durchschnitt berechnet und in einer weiteren Spalte eingetragen werden. Ist das Ergebnis nach dem Komma nicht eindeutig, wird dieses auf der Konferenz besprochen. Zum Glück. So verteilt sich die Notenverantwortung auf viele kompetente Schultern. Als Klassenlehrer*in beginnt dann spätestens am letzten Tag der Kampf um den Platz am PC, um die Noten digital ins System einzupflegen. Das heißt gegebenenfalls: ein Lehrer*innenzimmer, zehn Computer, ca. 100 Lehrer*innen und eine Deadline.

3. Konferenzmarathon

Die Zeugniskonferenzen verteilen sich je nach Schulgröße an Berufsbildenden Schule über circa zwei Wochen und erstecken sich bis in die Abendstunden. Der übliche Stress von Unterrichtsvorbereitung und -nachbereitung, Anleiter*innentreffen, Seminare und der Unterricht an sich finden natürlich weiterhin statt. Wenn man Glück bzw. Pech hat, kann die Zeit zwischen Unterricht und Konferenz bzw. Konferenz und Konferenz gewinnbringend dafür genutzt werden. Die Konferenzen an sich dauern je nach Klasse, Notenbild der Schüler*innen und Redebedarf der Kolleg*innen zwischen 20 und 90 Minuten. Aufgrund der uns obliegenden Verschwiegenheitspflicht kann hier jedoch nicht ins – zum Teil herausfordernde zum Teil sehr belustigende – Detail gegangen werden 😉

4. Fazit

Trotz des vor allem zeitlichen Stresses erfährt man viel über die Klassen, einzelne Schüler*innen und die Einschätzung sowie Arbeitsweise anderer Kolleg*innen. Überdies entstehen durch das lange Beisammensein immer wieder spannende Gespräche und man erhält wertvolle Tipps. Das nächste Halbjahr und seine Planung können beginnen!

Jessica Fleischer & Judith Reusing Referendarinnen im ersten Ausbildungsjahr – Fachrichtung Sozialpädagogik.
(Aufgrund fehlender Absprache mit den Schulleitungen, wurden keine Angaben zu den Schulen gemacht.)